Immobilienmarkt Deutschland

Immobilienmarkt Deutschland walther immobilien MichendorfAus Sicht der unterschiedlichen Marktteilnehmer beschreiben wir Aspekte des Immobilienmarktes in Deutschland. Der durchschnittliche Immobilieneigentümer hatte 2017 ein Nettovermögen von ca. 277 000 €. Mieter verfügten dagegen nur über durchschnittlich 10 400 € Vermögen. Im Magazin „Stern“ wurde das u.a. damit erklärt, dass Immobilienbesitzer durch hohe Kreditsummen eine Sparmentalität entwickeln, die selbst dann bestehen bleiben, wenn die Schulden bereits getilgt sind. Diese Betrachtung lässt aber außer acht, dass der Anstieg der Vermögen von Immobilienbesitzern besonders auf die gestiegenen Preise zurückzuführen ist. Während Mieter immer mehr Mittel für Wohnen ausgeben müssen. Waren es in den 1990 er Jahren ca. 25% des Einkommens, das für Miete aufgewendet werden musste, sind es jetzt fast 40%. In den letzten 3 Jahren stieg dagegen das Vermögen des durchschnittlichen Immobilienbesitzers um ca. 37 200 €. Der Markt für Mietwohnungen wird derzeit in Deutschland ja stark reguliert, um die Mietkosten für die Mieter zu senken. Als Folge davon könnte es zu Abwanderungstendenzen von Investoren und dem zufolge zu einer Verschlechterung der Gebäudesubstanz führen, wenn notwendige Modernisierungen unterbleiben. Fakt ist, es gibt zu wenige Wohnungen in Deutschland. Dem gegenüber steht die Erhöhung der Wohnfläche pro Kopf. 1984 waren es 35,7 Quadratmeter. Heutzutage sind es mittlerweile 46,7 Quadratmeter. Das liegt daran, dass es vor allem in Großstädten vermehrt Single Haushalte gibt. Ältere Menschen, die durch den Tod des Partners in ihrer Wohnung verbleiben tragen zur Erhöhung der Wohnfläche pro Kopf ebenso bei wie die hohen Neuvertragsmieten, die für Senioren dann nicht mehr zu stemmen wären. Grundsätzlich werden in Deutschland Bestandsverträge geschützt, ein Wechsel wäre daher nicht lukrativ. Dieser Einsperreffekt (lock in effect) wurde von einigen Ökonomen bereits beschrieben.

Trotz allem ist eine Abwanderungsbewegung in die Vororte bzw. das Umland der Großstädte zu verzeichnen. Stellvertretend sollen die Bevölkerungszuwächse von Potsdam, Landshut oder Offenbach. Dem gegenüber stehen Tendenzen, die vom Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt worden sind. Einschätzungen zufolge stehen deutschlandweit 1,94 Millionen Häuser und Wohnungen leer. Das hat mit der unterschiedlichen Entwicklung von Stadt und Land zu tun.

Eine weitere Tendenz betrifft das Verhältnis von Kaufen und Mieten. Ist dieses Verhältnis Kaufen/Mieten z.B. 25 Jahre , das heißt man muss 25 Jahresmieten für den Kauf einer Immobilie aufwenden, kann man von einem eher günstigen Erwerb sprechen. In Großstädten sind aber 30 und mehr Jahre gerade üblich. In Berlin, Hamburg oder Leipzig sind die Unterschiede in den Stadtteilen durchaus erheblich.

In Italien oder Spanien sind 70 bis 80 Prozent Eigentumsquote üblich. In Deutschland dagegen wird eine Quote von 44% festgestellt. Das Problem dabei ist der Eigenkapitalanteil der Kaufinteressenten, der mit 20% angenommen wird. Durch die steigenden Preise für Immobilien steigt natürlich auch der nominelle Wert dieser Erwerbsvorraussetzung. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, ohne Kapital zu kaufen. Das lassen sich die Banken mit einem höheren Zinssatz natürlich bezahlen. Instrumente wie das Baukindergeld sollen die Eigenkapitalquote erhöhen. Eine Alternative zum eigenen Erwerb stellen offene Immobilienfonds dar. Dort können ebenfalls bis zu 3% Rendite erwirtschaftet werden.

Quelle: Stern

  16. Oktober 2019
  Kategorie: Kosten/Finanzierung